|
Landesregierung votiert gegen Modernisierung des Bestattungsrechts
„Die Entscheidung des Koalitionsausschuss vom 8. September auf eine umfassende Modernisierung des baden-württembergischen Bestattungsrechtes weitgehend zu verzichten, empfinde ich persönlich als enttäuschend“, erklärt der Fachanwalt für Erbrecht und rechtspolitische Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion Dr. Hans-Peter Wetzel heute in Überlingen. „Ich bin weiterhin der Auffassung, dass ich und meine Familie selber entscheiden können, wie wir beerdigt werden wollen. Ich halte es für restlos überflüssig, dass Frau Sozialministerin Stolz alle Baden-Württembergern per Gesetz zu einer uniformen Bestattung zwingt. Diese Regelungswut im Bestattungsrecht sucht in Europa ihresgleichen“, ärgert sich Wetzel. „Ein Ende der Verbieteritis ist für mich leider nicht in Sicht.“
Ein Verstreuen der Asche Verstorbener außerhalb des Friedhofes ist europaweit längst der Normalfall: z.B. in Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, Österreich, den Beneluxstaaten, den skandinavischen Staaten, Ungarn oder Tschechien. „Den wachsenden Trend in Baden-Württemberg seine Lieben im Ausland beizusetzen, sehe ich mit Sorge“, erläutert Wetzel. Der große Zuspruch, den er in den letzten Monaten aus allen Teilen der Bevölkerung bekommen habe, bestärke ihn, sich auch weiterhin für eine europataugliche Liberalisierung des Bestattungsrechtes in Baden-Württemberg einzusetzen. „Für diese Auffassung gibt es in meinen Augen eine Mehrheit in der Bevölkerung“, erklärt Wetzel. „Jeder Baden-Württemberger soll sich in seiner Heimat so beisetzen lassen können wie er es sich wünscht“.
Weiter bedauerte Wetzel, dass die CDU-Fraktion sich verweigert habe muslimischen Mitbürgern eine Bestattung nach ihren Glaubensvorschriften zu ermöglichen: Bestattung im Leichentuch mit dem Gesicht nach Mekka. Sowohl die christlichen Kirchen als auch der Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble hatten sich für die Zulassung der muslimischen Bestattung ausgesprochen. Auch die Sozialministerin hatte anfangs für die Aufhebung des Sargzwangs aus religiösen Gründen plädiert. In Baden-Württemberg leben derzeit ca. 600.000 Muslime, ein großer Teil davon sind deutsche Staatsangehörige. „Ich halte es für inakzeptabel, dass jedes Jahr tausende von Baden-Württemberger im Ausland beerdigt werden müssen, weil ihr Beerdigungsritual der Landesregierung nicht zusagt“, erklärt Wetzel. „Gerade nach dem Tod sollten wir die religiösen Überzeugungen unserer Mitbürger respektieren, vor allem wenn wir davon in keiner Weise belastet werden.“ Zahlreiche andere Bundesländer haben den Sargzwang für Muslime bereits aufgehoben. Durch diese Geste soll auch die Integration der hier lebenden Muslimen befördert werden. „Wenigstens konnten wir in monatelangen Verhandlungen erreichen, dass eine Beerdigung im offenen Sarg ermöglicht werden soll“, erklärt Wetzel.
Den Plan des Sozialministeriums für Fehlgeburten endlich ein Bestattungsrecht einzuführen, bezeichnete Wetzel als längst überfälligen Schritt.
|
|